8 oder 9 Prozent, aber von der Lohnsteuer
Kirchensteuer zahlen Mitglieder der evangelischen und katholischen Kirche und einiger weiterer Religionsgemeinschaften. Den Abzug erledigt der Arbeitgeber. Der Satz: 9 Prozent der Lohnsteuer, in Bayern und Baden-Württemberg 8 Prozent. Wer 3.500 Euro brutto in Steuerklasse I verdient, zahlt also nicht 315 Euro, sondern etwa 36 € im Monat.
Weil die Lohnsteuer mit dem Einkommen stärker steigt als das Brutto, wächst auch die Kirchensteuer schneller. Und ohne Lohnsteuer keine Kirchensteuer: In Steuerklasse I beginnt sie 2026 bei etwa 1.430 Euro brutto im Monat.
Kinder senken die Kirchensteuer
Für die Kirchensteuer rechnet das Finanzamt die Lohnsteuer neu, und zwar mit den Kinderfreibeträgen. Die gelten hier auch dann, wenn du Kindergeld bekommst. Ein Kinderfreibetrag von 1 in deinen Lohnsteuerdaten senkt die Bemessungsgrundlage um 9.756 Euro im Jahr.
| Brutto im Monat | Steuerklasse I | I mit 1 Kinderfreibetrag | Steuerklasse III |
|---|---|---|---|
| 2.000 € | 7,93 € | 0,00 € | 0,00 € |
| 3.000 € | 26,37 € | 8,01 € | 3,17 € |
| 4.000 € | 47,20 € | 26,60 € | 18,16 € |
| 5.000 € | 70,41 € | 47,63 € | 36,16 € |
| 7.000 € | 128,72 € | 101,05 € | 79,15 € |
Kappung bei hohem Einkommen
In den meisten Ländern ist die Kirchensteuer nach oben begrenzt, auf 2,75 bis 4 Prozent des zu versteuernden Einkommens. Das lohnt sich erst bei hohen Einkommen, meist ab einem sechsstelligen Betrag. In manchen Ländern berücksichtigt das Finanzamt die Kappung im Bescheid, in anderen musst du sie bei deiner Landeskirche oder deinem Bistum beantragen.
| Bundesland | Satz | Kappung | wie |
|---|---|---|---|
| Baden-Württemberg | 8 % | 2,75 bis 3,5 % | auf Antrag |
| Bayern | 8 % | keine | |
| Berlin | 9 % | 3 % | im Steuerbescheid |
| Brandenburg | 9 % | 3 % | im Steuerbescheid |
| Bremen | 9 % | 3,5 % | im Steuerbescheid |
| Hamburg | 9 % | 3 % | im Steuerbescheid |
| Hessen | 9 % | 3,5 bis 4 % | auf Antrag |
| Mecklenburg-Vorpommern | 9 % | 3 % | im Steuerbescheid |
| Niedersachsen | 9 % | 3 bis 3,5 % | im Steuerbescheid |
| Nordrhein-Westfalen | 9 % | 3,5 bis 4 % | auf Antrag |
| Rheinland-Pfalz | 9 % | 3,5 bis 4 % | auf Antrag |
| Saarland | 9 % | 3,5 bis 4 % | auf Antrag |
| Sachsen | 9 % | 3,5 % | im Steuerbescheid |
| Sachsen-Anhalt | 9 % | 3,5 % | im Steuerbescheid |
| Schleswig-Holstein | 9 % | 3 % | im Steuerbescheid |
| Thüringen | 9 % | 3,5 % | im Steuerbescheid |
Was ein Austritt wirklich spart
Nach dem Austritt steigt dein Netto um die volle Kirchensteuer. Über das Jahr bleibt aber etwas weniger, denn gezahlte Kirchensteuer mindert als Sonderausgabe die Einkommensteuer, und dieser Vorteil fällt mit weg. Bei 3.500 Euro brutto spart der Austritt rund 311 statt 438 Euro im Jahr.
Den Austritt erklärst du beim Standesamt, in manchen Ländern beim Amtsgericht. Die Gebühr regelt jedes Land selbst. Das Finanzamt löscht dann das Kirchensteuermerkmal in deinen Lohnsteuerdaten, und der Abzug endet. Es geht dabei um mehr als Geld. Taufpate werden oder kirchlich heiraten ist danach meist nicht mehr möglich.