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Wie viel Sonderurlaub gibt es bei Hochzeit, Umzug, Geburt oder Todesfall?

Morgens um sieben klingelt das Telefon. Die Oma ist in der Nacht gestorben, die Beerdigung ist am Freitag. Du schreibst deiner Chefin und fragst dich beim Tippen: Muss ich dafür einen Urlaubstag nehmen?

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    Voreingestellte Werte: Stand September 2026. Werte und Quellen

    § 616 BGB: ein Satz, viele Auslegungen

    Ein Gesetz über Sonderurlaub gibt es nicht. Es gibt § 616 BGB. Danach behältst du deinen Lohn, wenn du für eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit aus einem persönlichen Grund nicht arbeiten kannst, ohne dass du etwas dafür kannst. Wie viele Tage das sind, steht nicht im Gesetz.

    Gerichte haben über die Jahre Fälle anerkannt: die eigene Hochzeit, die Geburt des eigenen Kindes, die Beerdigung naher Angehöriger, ein Arzttermin, der nicht außerhalb der Arbeitszeit geht. Meist geht es um einen Tag, bei einem Todesfall in der engen Familie auch um zwei. Ein privater Umzug zählt nicht.

    Der Haken: Viele Arbeitsverträge schließen § 616 BGB aus. Das ist erlaubt. Dann bekommst du für diese Anlässe keinen bezahlten Tag, sondern nimmst Urlaub oder Überstunden.

    Öffentlicher Dienst: feste Tage nach § 29 TVöD

    Im TVöD und im TV-L stehen die Fälle mit Zahl. Eine Hochzeit gehört nicht mehr dazu, sie wurde vor Jahren gestrichen.

    Bezahlte Arbeitsbefreiung nach Anlass
    AnlassTVöD und TV-Lohne Tarifvertrag
    Geburt des eigenen Kindes (Niederkunft der Partnerin)1 Tagüblich ein Tag nach § 616 BGB
    Tod von Ehepartner, Kind oder Elternteil2 Tageüblich ein bis zwei Tage nach § 616 BGB
    Tod von Großeltern, Geschwistern, SchwiegerelternkeineBeerdigung naher Angehöriger meist ein Tag nach § 616 BGB
    Eigene Hochzeitkeineüblich ein Tag nach § 616 BGB
    Umzug aus dienstlichem Grund an einen anderen Ort1 Tagkein Anspruch ohne Vereinbarung
    Privater Umzugkeinekein Anspruch ohne Vereinbarung
    25- oder 40-jähriges Arbeitsjubiläum1 Tagkein Anspruch ohne Vereinbarung
    Schwere Erkrankung eines Angehörigen im Haushalt1 Tagje nach Einzelfall nach § 616 BGB
    Schwere Erkrankung eines Kindes unter 12 ohne Kinderkrankengeld4 Tagebezahlt nur, wenn der Vertrag § 616 BGB nicht ausschließt, sonst Kinderkrankengeld der Krankenkasse

    Freistellungen wegen Erkrankung von Angehörigen dürfen im öffentlichen Dienst zusammen fünf Arbeitstage im Kalenderjahr nicht überschreiten. Für kranke Kinder unter zwölf gibt es daneben das Kinderkrankengeld der Krankenkasse.

    Pflegefall in der Familie

    Wird ein naher Angehöriger plötzlich pflegebedürftig, darfst du nach dem Pflegezeitgesetz bis zu 10 Arbeitstage fehlen, um die Pflege zu organisieren. Das gilt in jedem Betrieb, egal wie klein. Der Lohn fällt dafür weg. Als Ersatz zahlt die Pflegekasse des Angehörigen Pflegeunterstützungsgeld, den Antrag stellst du dort.

    Häufige Fragen

    Wie viel Sonderurlaub gibt es bei einem Todesfall?

    Im öffentlichen Dienst gibt es nach § 29 TVöD und TV-L zwei bezahlte Arbeitstage beim Tod von Ehepartner, Kind oder Elternteil. Ohne Tarifvertrag gilt § 616 BGB, danach sind für den Tod eines nahen Angehörigen ein bis zwei Tage üblich, wenn der Arbeitsvertrag die Regel nicht ausschließt.

    Bekommt man für den Umzug frei?

    Für einen privaten Umzug gibt es keinen gesetzlichen Anspruch auf bezahlte Freistellung. Nur wenn der Umzug aus dienstlichem Grund an einen anderen Ort geht, sieht der TVöD einen Arbeitstag vor. Viele Firmentarifverträge regeln das großzügiger.

    Hat man bei der Geburt des Kindes Anspruch auf Sonderurlaub?

    Der Vater oder die Partnerin bekommt im öffentlichen Dienst einen bezahlten Arbeitstag für die Niederkunft. Ohne Tarifvertrag ist nach § 616 BGB ein Tag üblich. Längere Zeit zu Hause geht über Urlaub oder Elternzeit.

    Kann der Arbeitgeber Sonderurlaub nach § 616 BGB ausschließen?

    Ja. § 616 BGB lässt sich im Arbeitsvertrag abbedingen. Steht dort, dass die Vorschrift nicht gilt, gibt es für Hochzeit, Geburt oder Beerdigung keinen bezahlten freien Tag, es sei denn, ein Tarifvertrag sieht einen vor.